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Nach viel Lob und konstruktiver Kritik stellen wir mit dem heutigen Relaunch eine Optimierung des Hashtag-Systems vor.
Die bisherigen Hashtags #tmvk, #tmsu, und #tmta für “verkaufe”, “suche”, “tausche” werden abgelöst durch die neuen #tmbiete, #tmsuche und #tmtausche.
Die alten Hashtags bleiben allerdings erstmal gültig, bis sich die neuen durchgesetzt haben.
Warum haben wir das gemacht?
Die neuen Hashtags sind zwar ein bisschen länger, was zu Kosten der im Tweet verfügbaren Zeichenzahl geht, aber dafür sind sie leichter zu merken.
Plus: Die Verallgemeinerung von “verkaufe” zu “biete” macht es für Teilnehmer leichter, auch Angebote wie Jobs oder Unterrichtsstunden und sonstige Services einzustellen.
Außerdem können die Tweets nun auch nach insgesamt 18 Kategorien-Tags gefiltert werden.
Diese Hashtags befinden sich klickbar über der Tweetmarkt-Wall.
Will man die Ergebnisliste filtern, muss man nur einen Tag anklicken.
Will man, dass der eigene Tweet auf diese Weise gefunden werden kann, muss man das entsprechende Hashtag in den Tweet einfügen.
Beispiel: “#tmbiete HD Flip Mino Videokamera. Preis VB. #22 #elektronik”
Wir glauben, dass mit diesen Änderungen Tweetmarkt.de noch einfacher und komfortabler nutzbar ist.
Tweetmarkt ist nun seit drei Tagen online und die Resonanz ist durchweg positiv.
Zugegeben: Es gibt noch nicht besonders viele Angebote und Gesuche, aber die Resonanz spornt uns an, Tweetmarkt weiter zu verbessern.
Heute morgen gab es einen ersten Relaunch:
Das Layout wurde optimiert und es wurden zusätzliche Buttons eingebaut, die das Filtern und navigieren durch die Twitterwall einfacher machen.
Die nächsten Optimierungen sind bereits in Arbeit:
Es macht Sinn, dass in Zukunft nicht nur die Hashtags #tmvk (verkaufe), #tmsu (Suche) und #xx (ersten beiden PLZ-Ziffern) in den Kleinanzeigen verwendet werden, sondern dass man auch das angebotene bzw. gesuchte Produkt mit einem Hash (#) taggt.
Auf diese Weise wollen wir eine Tagliste auf Tweetmarkt.de erstellen, die als zusätzliche Filtermöglichkeit dient.
Beispiel: “#Kleiderschrank von Ikea, Modell Kötbullar, für 50 €. #tmvk #22 #Möbel”
Die beiden Hashtags #Kleiderschrank und #Möbel würden dann in einer Tagliste erscheinen. Bei Klick auf #Kleiderschrank würden in der Twitterwall alle angebotenen Kleiderschränke angezeigt.
Außerdem werden wir die Twitterwall aus ihrem momentanen Framing befreien. Bei einem Klick auf den Button “mehr” verlängert sich dann die gesamte Seite nach unten. Auf diese Weise muss man als User nicht mehr mit zwei Scrollbalken hantieren.
Wir freuen uns über weiteren konstruktiven Input und wünschen uns, dass alle, die Tweetmarkt zu jetzigen Zeitpunkt kennen und gut finden, auch weiter via Twitter und Blog dabei mithelfen, Tweetmarkt erfolgreich zu machen.
There’s more to come. Spread the word.
Danke
Oliver
Heute haben wir Tweetmarkt.de gelauncht und meine größte Angst war:
“Hoffentlich gibts das nicht schon! Hoffentlich launcht nicht heute einer mit derselben Idee und wir launchen erst morgen! Hoffentlich bin ich nicht wieder der Hase und irgendein Igel steht schon da und grinst.”
Von Berufswegen her beschäftige ich mich mit dem Ideenhaben.
Die Welt ist groß und es gibt viele Leute, deren Beruf oder Berufung es ist, Ideen zu haben.
Dazu kommen noch all die Menschen, die einfach Ideen haben, ohne dass es ihr Beruf ist.
Oder kurz: Viele Menschen haben auch viele Ideen.
Mit den Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen, ist es ganz einfach, seine Idee anderen Menschen zu erzählen und es ist ganz einfach, sich in die Tat umgesetzte Ideen aus aller Welt jederzeit anschauen zu können.
Und siehe da: Ideen tauchen plötzlich doppelt, dreifach, vierfach auf.
Das passiert besonders in der Werbung, im Marketing, in der Kommunikationsbranche.
Was kein Wunder ist.
In der informationsindustrietechnologisierten Welt sitzen auf allen Kontinenten in tausenden von Städten abertausende von Menschen, die dafür bezahlt werden, die Probleme ihrer Kunden mit Ideen zu lösen.
Kulturellen Unterschieden zum Trotz, gehe ich davon aus, dass es (nicht nur) in dieser Branche so etwas wie eine globale Kultur gibt, die auch durch die global verbreitete Technologie geprägt ist.
Ein Werber aus Stockholm wird sich mit einem Werber aus Mumbai über berufliche Dinge bestens verständigen können.
Abertausende Kreative werden von aberhunderten Unternehmen, die die gleichen Produkte herstellen, mit der Aufgabe betreut, z.B. mehr Kühlschränke zu verkaufen.
Also sitzen während der Entstehung dieses Artikels werweißviele Leute, die ähnlich bis gleich ticken, an ähnlichen bis gleichen Problemen, verwenden dafür die gleichen Methoden, die gleiche Hardware, die gleiche Software und haben dabei die gleichen Klamotten an.
Und dann kommen sie auf die gleichen Ideen.
Was eigentlich nicht schlimm ist.
In einer Welt vor gar nicht allzulanger Zeit, war man mit einer Idee der einzige weit und breit.
Dass irgendwo auf der anderen Seite des Globus vielleicht jemand eine Woche vorher dieselbe Idee hatte - irrelevant.
Heute ist das nicht mehr so.
Heute werfen Kommunikative aus Brasilien ihren Berufskollen aus Deutschland Plagiarismus vor, weil zwei Anzeigen den gleichen Witz haben oder zwei Websiten die gleiche Funktion etc.
Interessanterweise wachsen hier zwei Sachen parallel in den Himmel:
Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas ein Plagiat ist, so hoch wie nie, denn es ist so einfach wie nie, anderen Menschen durchs Web auf die kreativen Finger zu schauen.
Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Menschen auf unterschiedlichen Seiten des Globus dasselbe einfällt auch so hoch wie nie, denn noch nie haben soviele gleichdenkende Menschen gleichzeitig an Ideen für gleichlautende Aufgaben gearbeitet.
Leider macht das einem als Ideenhabenmüsser doch schwer zu schaffen.
Hat man eine Idee, googelt man mal ein bisschen und schwupps denkt man:
“Mist, irgendwer in Ulan Bator hatte die Idee bereits, das können wir vergessen.”
Oder man hat eine Idee, erzählt sie ein paar Leuten und aus allen Ecken kräht es:
“Hat schon mal einer in Ulan Bator gemacht, vergiss es!”
Um diesen “Gibts doch schon!” Frust zu überwinden, habe ich noch nicht das geeignete Rezept gefunden.
Aber erstens: Irgedwer arbeitet gerade daran und findet vielleicht vor mir eine Lösung.
Und zweitens: Dieser Blogbeitrag wurde bestimmt auch schon irgendwo geschrieben.
P.S.:
Ich habe das furchtbare Wort Globalisierung übrigens nicht einmal verwendet! Ach Mist, jetzt schon.
Ich mache mir schon eine Weile Gedanken darüber, wie man die Kraft von Twitter nutzbringend bündeln könnte.
Aus den Gedanken ist eine Idee und aus der Idee eine Tat geworden, die ich hiermit vorstellen möchte.
Tweetmarkt.de
Beobachtung:
Viele Twitterer versuchen, Twitter auch für Kleinanzeigen zu nutzen.
Problem:
Logischerweise ist die Reichweite, die man als Einzelner hat, zunächst auf die eigene Followerschaft begrenzt.
Um Angebote und Gesuche zu finden, kann man natürlich auf die Twitter-Suche zurückgreifen und nach Begriffen wie “verkaufen” oder nach Produktnamen suchen.
Problem hierbei ist das Störrauschen, das die Ergebnisse einer solchen Suche weitgehend nutzlos machen kann (“verkaufen” kann ja in allen möglichen Zusammenhängen auftauchen).
Frage:
Wie kann man Kleinanzeigen im Twitterversum möglichst weit verbreiten?
Lösung:
Eine einheitliche Hashtag-Nomenklatur, die man verwendet, um einen Tweet eindeutig als Angebot oder Gesuch kenntlich und findbar zu machen.
Genau das wollen wir mit Tweetmarkt.de versuchen.
Tweetmarkt nutzt drei Hashtags:
- eins für Angebote: #tmvk (T weet M arkt V er K aufe),
- eins für Gesuche: #tmsu (T weet M arkt S U che) und
- eins für Lokalisierung: #xx (xx steht für die ersten beiden Ziffern der PLZ).
Beispiel-Tweet:
“Flip Mino HD in HH zu verkaufen. Wenig benutzt. Amazon199,- / von mir für 130,- / http://twitpic.com/3pocu #tweetmarkt #tmvk #22″
Hier würde die Kleinanzeige also bei einer Suche nach Angeboten aus dem Raum Hamburg (#tmvk #22) in den Ergebnissen gelistet.
Auf der Website Tweetmarkt.de gibt es eine Twitterwall, die nur Tweets mit den #tmvk und #tmsu Hashtags anzeigt, und die vom User zusätzlich gefiltert werden kann.
Selbstverständlich muss man die Website nicht unbedingt nutzen, sondern kann auch über die Twittersuche oder seinen Twitter-Client nach Anzeigen suchen.
Die Kontaktaufnahme zwischen Käufern und Verkäufern muss von den beiden Parteien individuell organisiert werden.
Hauptsache, die Hashtags verbreiten sich und werden benutzt.
Wenn Euch die Idee gefällt, dann freue ich mich über fleißige Weiterverbreitung.
Es steckt kein kommerzielles Interesse hinter Tweetmarkt.de und ein raffinierter Spam-Scam ist es auch nicht
Feedback und konstruktive Kritik hier sind hier in den Kommentaren oder via obentz@tweetmarkt.de oder bei twitter.com/tweetmarkt herzlich willkommen.
UPDATE:
Dank an Ooroon Bai (Link) und an iloveweb20.de (Link) für ihre freundlichen Rezensionen.
Nach dem Microblogging (Twitter, Einkaufszettel, Randnotizen, Fußnoten, Unterschriften etc.) setzt sich nun ein neuer Kommunikationstrend im Social Web durch, das Microphoning.
Microphoning funktioniert eigentlich ganz simpel. Man benötigt ein neues Endgerät, das sogenannte Microphone und benutzt es dann einfach mit seinem Mund, indem man seine Botschaften öffentlich in das Microphone spricht, schreit, singt - ganz wie man will.
Microphoning ist völlig mobil, die Endgeräte funktionieren überall und vor allem auch ohne Strom. Denn der Microphoner verlässt sich voll auf seine Stimme, mit der er Betonung und Lautstärke modulieren kann.
Es gibt auch High-End Microphones, die man an eine Lautsprecheranlage anschließen kann, diese sind aber nur zum stationären Einsatz geeignet.
Auch auf deutschen Straßen sieht man immer mehr zumeist junge Menschen, die per Microphoning ihre “Message” in die Welt rufen.
Das macht Microphoning zu einer voll demokratischen und sozialen Technik, denn jeder Mensch in Rufweite kann die Message hören und nach Belieben weiterverbreiten.

(Foto: Eine junge Microphonerin in Aktion.
Quelle: Bazil Raubach.SXC)
Seit gestern Abend hat die Twittersphäre ein neues und vor allen Dingen prominentes Mitglied:
Die Globale Krise twittert unter dem Namen @globalekrise.
Damit ist die Globale Krise die erste Krise der Welt, die sich so offen in die Karten schauen lässt.
Zumindest ein wenig - denn dass die Globale Krise selbst via Twitter eine schnelle Möglichkeit zu ihrer Beendigung anbieten wird, ist wohl eher unwahrscheinlich.
Was den Medien bislang nicht gelungen ist, haben wir als kleines Blog nun geschafft:
Butterplanet ist es gelungen, die Globale Krise zwischen zwei Arbeitsterminen abzupassen und ein kurzes Exklusivinterview zu führen.
Butterplanet: Zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Man kann sich vorstellen, dass Sie im Moment viel zu tun haben.
Globale Krise: Allerdings. Ich weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht bei all der Arbeit.
Butterplanet: Haben Sie mal darüber nachgedacht, ein paar Leute einzustellen, die Ihnen helfen?
Globale Krise: Ja, aber nur kurz. Es würde in meinen Kreisen keinen guten Eindruck machen, wenn ich überall für Entlassungen sorge und dann selbst neue Mitarbeiter einstelle. Das würde mich unglaubwürdig machen.
Mein Image ist sowieso schon ziemlich ramponiert.
Außer ein paar Bankern würde eh niemand für mich arbeiten wollen. Was noch hinzukommt: Der Job, den ich mache, ist absolut nicht krisensicher, haha!
Butterplanet: Haha! Apropos Image. Ihr schlechtes Image und die negative Berichterstattung in den Medien ist bestimmt auch ein Grund dafür, dass Sie mit dem Twittern begonnen haben?
Globale Krise: Genau. Twitter sehe ich als Möglichkeit, den Menschen etwas näher zu kommen und direkt mit Ihnen zu kommunizieren. Wenn ich den Menschen da draußen einen persönlichen und teilweise auch intimen Einblick in mein Leben gewähre, ihnen aufzeige, mit welchen Problemen ich zu kämpfen habe, dann sehen sie mich vielleicht auch mit anderen Augen.
Für mich ist es wahrlich auch nicht leicht, der Buhmann der Welt zu sein. Fragen Sie mal Herrn Mehdorn, wie sich sowas bereits auf nationaler Ebene anfühlt.
Butterplanet: Und um den Imagewandel herbeizuführen, sehen Sie in Twitter das richtige Werkzeug? Warum haben Sie sich nicht ans Fernsehen oder die großen Zeitungen gewandt?
Globale Krise: Zwischen den Medien und mir ist in den letzten Wochen einfach zuviel kaputt gegangen. Ich will jetzt nicht mit dem Finger auf irgendwen zeigen, aber was da teilweise über mich geschrieben und gesagt wurde, das hat mich tief verletzt und gekränkt.
Butterplanet: Verstehe, also deshalb jetzt Twitter. Und wie läuft das so?
Globale Krise: Bei meinem vollen Terminplan habe ich keine Zeit, zum Beispiel ein Blog zu führen. Ich jette permanent um den Globus, da kam mir Twitter sehr gelegen, denn ich kann mich schnell, umkompliziert und vor allem mobil äußern.
Butterplanet: Im Moment aber noch nicht so erfolgreich, Ihre Followerzahl hält sich ja noch in Grenzen. Woran liegt das? In den Massenmedien folgen ja Millionen von Menschen täglich den Berichten über Sie und Ihre Arbeit.
Globale Krise: Ja, leider. Ich glaube, dass viele Menschen einfach Berührungsängste haben. Via Twitter fehlt die Wand, die die Medien zwischen mir und den Menschen aufgebaut haben. Da stehen sie plötzlich in ganz direktem Kontakt zu mir.
Das trauen sich viele einfach nicht. Aber ich hoffe, dass sich das im Laufe der Zeit ändert.
Ich kann sagen: Mich zu ignorieren, oder sich von mir abzuwenden, wird nicht dabei helfen, mich los zu werden.
Butterplanet: Sich über mangelnden Zuspruch zu beschweren, klingt aus dem Mund der Globalen Krise schon ein wenig zynisch…
Globale Krise: Vielleicht, aber ich bin davon überzeugt, dass man mich besser versteht, wenn man mir einfach direkt zuhört.
Butterplanet: Wir bleiben skeptisch. Allerdings haben wir uns ja trotz Vorbehalt dazu entschlossen, dieses Interview zu führen und zu veröffentlichen.
Globale Krise: Und dafür bin ich Butterplanet auch dankbar. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich Sie verschonen kann, aber wenn ich Sie erwischen sollte, dann nehmen Sie es bitte nicht persönlich. Ich mache nur meinen Job.
Butterplanet: Globale Krise, wir bedanken uns für das Gespräch.
Aber keine Zeit für lange Blogposts.
Stattdessen jede Menge Twitter.
Siehe linke Spalte oder einfach direkt auf http://www.twitter.com/butterplanet
Link: http://paulgraham.com/convergence.html
Auszug:
The somewhat more surprising force was one specific type of innovation: social applications. The average teenage kid has a pretty much infinite capacity for talking to their friends. But they can’t physically be with them all the time. When I was in high school the solution was the telephone. Now it’s social networks, multiplayer games, and various messaging applications. The way you reach them all is through a computer.
Which means every teenage kid (a) wants a computer with an Internet connection, (b) has an incentive to figure out how to use it, and (c) spends countless hours in front of it.
This was the most powerful force of all. This was what made everyone want computers. Nerds got computers because they liked them. Then gamers got them to play games on. But it was connecting to other people that got everyone else: that’s what made even grandmas and 14 year old girls want computers.
Der Spiegel macht ja in dieser Woche im weitesten Sinne mit unserem Thema auf uns untersucht die Risiken und Nebenwirkungen der “neuen” sozialen Netze und der Lust am virtuellen Networking.
(Der Spiegel-Titel wird auch in diesem Artikel aufgegriffen: http://off-the-record.de/2009/03/02/risiko-facebook/)
In dem Artikel wird stark auf das Verhalten von jungen Menschen fokussiert, die im Eifer des Gefechts vergessen, wie öffentlich ihr Treiben im Netz ist.
Da gibt es dann die üblichen Horrorstories von Frauen, die ermordet wurden, weil sie ihren Status bei Facebook auf “Single” gesetzt haben.
Aber: Vieles in dem Artikel ist des Überdenkens wert. Speziell, was das eigene Verhalten betrifft - auch wenn die Jugend schon ein paar Jährchen zurückliegt.
Was man manchmal auf Facebook und Twitter so aus dem eigenen Netztwerk zu lesen bekommt, lässt einen ja doch gelegentlich kurz die Luft durch die Zähne ziehen.
Auf Facebook werden Wall-to-Wall Familienprobleme gelöst, die definitiv ein paar Grad zu intim sind oder auf Twitter wird gegen Kollegen geschossen, die sofort wüssten, dass sie gemeint sind, wenn sie den Tweet zu Gesicht bekämen.
Vor ein paar Tagen habe ich hier im Forum den Artikel “Lebe in Twitter, wie Du außerhalb von Twitter lebst” veröffentlicht, in dem ich versucht habe, für mich ein paar Regeln festzuhalten.
Ich möchte ergänzen:
1.) Don’t drink and Twitter.
(Erklärt sich quasi von selbst.)
2.) First think then twitter.
(Manchmal sollte man seinen Tweet erstmal woanders notieren, fünf Minuten liegen lassen, ihn sich nochmal anschauen und sich fragen: Ist das was für alle?)
Zum Schluss möchte ich noch einmal auf den Artikel zurückkommen und die beschriebenen Auswirkungen auf das Sozialleben von Jugendlichen, die sich online nach dem Motto “Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun” verhalten.
Fragen:
Braucht es sowas wie einen Internetführerschein für Jugendliche? Eine Aufklärungsaktion? Muss das Schulstoff werden?
Befinden wir uns in einer Übergangsphase?
(Oft genanntes Paradeszenario: Man Twittert über ein feuchtfröhliches Gelage und am Montag weiß der Chef Bescheid, dass man die Sau raus gelassen hat und macht einem Feuer unterm Hintern…)
Ist sowas in Zukunft kein Problem mehr, weil alle twittern und man sich gegenseitig mit Toleranz begegnet?
(Motto: What happens on Twitter stays on Twitter.)
Ein paar Gedanken zum Thema “Leben mit Twitter”.
(Falls irgendwer dasselbe schon an anderer Stelle gedacht und aufgeschrieben hat: Sorry. Sowas kommt ja im Internet oft vor. “Kenn ich schon!”, “Gibt es längst!”)
Also: Ich versuche auf Basis der eigenen Erfahrungen und Beobachten ein paar Grundsätze aufzustellen, nach denen ich mein Twittern auszurichte. Was natürlich nicht immer gelingt.
Ich glaube, dass man sich in Twitter so verhalten sollte, wie außerhalb von Twitter auch.
Insofern ist die neue Medienkompetenz, vor der manche Leute vielleicht Angst haben, eine eigentlich bereits vorhandene ganz normale Lebenskompetenz:
1. Mut zur Lücke
*** Bei Twitter: ***
Man kann nicht alles lesen. Das macht einen nur verrückt. Wenn man mal einen Tag ausgesetzt hat, macht es keinen Sinn, alle Tweets nachholen zu wollen.
*** Im Offline-Leben: ***
Wenn man um 2 Uhr morgens auf eine Party kommt, fragt man auch nicht der Reihe nach jeden Gast, was er der ganzen Abend getrieben und geredet hat, bevor man selber mit Feiern anfängt.
2. Privates privat lassen
*** Bei Twitter: ***
Die @Name Funktion macht nur dann Sinn, wenn die Mitteilung auch von anderen verstanden wird. Sowas wie “@Name: ja!” verbraucht nur öffentlichen Raum. Speziell, wenn es um etwas ganz Persönliches geht: Finger weg vom @.
*** Im Offline-Leben: ***
Schon mal auf einer Party gewesen und sich laut über die Köpfe der anderen Gäste hinweg mit einem Freund über den Termin beim Proktologen unterhalten? Nein? Dachte ich mir. Das erledigt man ja auch eher per Insohrflüstern.
3. Sich nicht vollquatschen lassen
*** Bei Twitter: ***
Man sammelt fleißig Follower und followt diesen zurück. Das hat man davon: Zwischen zwei interessanten Tweets liest man dann plötzlich wichtige Mitteilungen über die Röhrenkondensatorenkonfiguration bei Ubuntuserverinstallationen. Nicht an jeden Follower klammern. Jetzt ist es an der Zeit, zu unfollowen.
*** Im Offline-Leben: ***
Wer sich auf einer Party mir dem Drink in der Hand zu einer Gruppe Leute stellt, um sich am Smalltalk zu beteiligen und dann feststellt, dass er an ein paar - sagen wir - Doktoranden der Molekularbiologie geraten ist, die gerade auf höchstem Niveau die Implikationen ihrer Arbeit diskutieren, dann lächelt man freundlich, nickt, tut so, als ob man am anderen Ende des Raums einen alten Freund gesehen hat und macht sich vom Acker. (Achtung: Gilt nur, wenn man selbst keine Molekularbiologe ist und sich auch nicht für das Feld interessiert.)
Weitere Regeln tbd.
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